Geschichte

 

Wie alles begann und wie aus Schutt und Asche der VfJ entstand


Der Winter war früher gekommen als in den Jahren zuvor. Bereits Anfang November hatte 1945 zu schneien begonnen. Fast schien es, als ob unter der Schneedecke die tiefen Wunden, die der Krieg gerissen hatte, verschwinden sollten.

Auch in Lippborg hatte der Krieg seine Spuren hinterlassen. Zwar war das Dorf von den Bombenangriffen, die das benachbarte Soest in Schutt und Asche gelegt hatten, verschont geblieben. Bei der Sprengung der Lippe-Brücke im April waren jedoch die Scheiben der Kirche geborsten. An vielen Häusern entlang der Dorfstraße hatte die gewaltige Detonation tiefe Risse hinterlassen. Bis zum Kriegerdenkmal waren die Verwüstungen zu sehen.

Neben den Schäden an den Häusern, die noch lange zu sehen waren, hatten die scheinbar unendlichen Monate des Krieges auch in den Herzen der Lippborger Wunden hinterlassen. In fast allen Häusern wurde getrauert: Väter, Brüder und Söhne waren im Krieg geblieben. Weit über 200 Namen von Männern, die gefallen oder vermisst sind, stehen am Kriegerdenkmal. Stumme Zeugen, dass der fanatische und tödliche Irrglauben von einem Großdeutschen Reich an Lippborg nicht vorbeigegangen ist.

Auch im November 1945 wurde immer noch gebangt und gewartet. Jeden Abend wurde in der Pfarrkirche für die Vermissten und die Männer in Kriegsgefangenschaft gebetet. Die letzten sollten erst Jahre später heimkehren. Ganz langsam erwachte Lippborg aus der lähmenden Lethargie, die in den ersten Nachkriegsmonaten über das Dorf gefallen war. Zögerlich begann sich das Leben wieder zu normalisieren. Es dauerte nicht lange, bis der Wunsch nach einem lebendigen Vereinsleben wach wurde. Wie in den glücklicheren Tagen vor Ausbruch des Krieges sollten in den Vereinen die vielfachen Interessen der Lippborger ein Betätigungsfeld finden.

Doch was vor dem Krieg noch so einfach war, entpuppte sich nun als scheinbar unüberwindbare Hürde. Weil in zahlreichen Vereinen das braune Gedankengut der Nationalsozialisten auf besonders fruchtbaren Boden gefallen war, hatten die Besatzungsmächte praktisch das gesamte Vereinsleben abgestellt.

Der Kontrollrat der Militärbehörden hatte in Berlin bestimmt, „jede Tätigkeit aller Sport und militärischen oder halbmilitärischen Sportorganisationen (Klubs, Vereine, Einrichtungen und andere Organisationen, die in Deutschland vor seiner Kapitulation bestanden) zu verbieten und sie bis zum 1. Januar 1946 aufzulösen.“

Das war auch das Ende für DJK Grünweiß Lippborg. Vor dem Krieg hatten hier viele Lippborger eine sportliche Heimat gefunden. Vorsitzender war Franz Schafhausen. Dessen Haus mitten im Dorf war auch die zentrale Anlaufstelle. In einem Kasten an der Hauswand wurden die Aktiven über mögliche Spiele informiert. Die meisten Partien fanden in Ahlen statt. Solche sportlichen Begegnungen füllten fast den ganzen Tag aus. Die jungen Lippborger mussten mit dem Fahrrad nach Ahlen radeln. Trotzdem waren sie meist noch so frisch, dass sie den Püttstädtern Paroli bieten konnten und so manchen Sieg mit nach Lippborg brachten, der nicht selten schon in der „Brabender Gaststätte“ (kurz hinter Dolberg) gefeiert wurde. Die Heimspiele wurden auf der Heide (dort steht heute das Schützenfestzelt) ausgetragen.

Wenn die Gegner aus Beckum, Ahlen oder den benachbarten Orten Herzfeld und Hultrop anrückten, war das jedes Mal wie ein kleines Volksfest. Junge Männer wie Heinz und Caspar Wiengarn, Bernhard Degen, Otto Süllentrop, Franz Schäfer oder Willi Ahrens sorgten dafür, dass die Gegner in den Dreißiger Jahren stets mit Respekt nach Lippborg anreisten. Für diese Fußball-Enthusiasten war es auch besonders bitter, dass sie in den ersten Nachkriegsmonaten, ihrem geliebten Hobby nicht nachgehen konnten.

„König Fußball“ lag auch in Lippborg zunächst in Schutt und Asche. Doch der Wunsch, sich schon bald wieder mit befreundeten Fußballern aus der Nachbarschaft messen zu dürfen, war stärker als alle militärbürokratischen Hindernisse. Aber vor einer Neugründung mussten umfangreiche Forderungen erfüllt werden. Forderungen, die viele schon in der Anfangsphase entmutigten.

Nicht so in Lippborg. „Wir brauchen wieder einen Sportverein“, hatte Kaplan Hubert Bringmeier gefordert. Bei Küster Franz Schafhausen, Bäckermeister Wilhelm Sohlmann, Kaufmann Heinz Wiengarn, Schreiner Karl Bruland, Mechaniker Heinrich Rüschoff und Schmied Franz Stromberg war er mit dieser Forderung gleich auf offene Ohren gestoßen.

Am 9. November 1945 fanden sie sich mit weiteren sportbegeisterten Lippborgern in der Gaststätte Sohlmann zusammen. Willi Sohlmann, der später erster Vereinswirt der Fußballer wurde, hatte ein paar Scheite Holz mehr auf den alten Kanonenofen gelegt. Draußen war es bitter kalt. Nach und nach füllte sich der kleine Versammlungsraum. Alle waren guten Mutes, schon bald wieder einen Sportverein ins Leben zu rufen.

Doch die engagierten Sportler hatten die Rechnung zunächst ohne die Verordnungen der Besatzer gemacht. Der Landrat des Kreises Beckum, Dr. Graf Droste zu Vischering, ließ den Lippborgern über Pfarrer Hegemann ausrichten: „Alle Anträge auf Zulassung einer neuen Jugendorganisation sind nach Anordnung der Militärregierung von den Kreisjugendämtern durch das Landesjugendamt Münster einzureichen zum Zwecke der Auskunfterteilung an die Militärregierung weiterzuleiten, die einen Überblick über die in der Provinz bestehenden neuen Jugendverbände haben muss.“ Die Anträge mussten in deutscher und englischer Sprache eingereicht werden. Und das zum Teil gleich in vierfacher Ausfertigung.

Auf sieben Seiten hatten die Briten in ihrer „10. Anweisung zur Erziehungsüberwachung“ genau definiert, welche Anforderungen sie an die neuen Jugendverbände stellen. Darin hieß es unter anderem: „Es ist dafür zu sorgen, dass keine Jugendgruppe mit politischen und militärischen Zielsetzungen genehmigt wird. Drill, Marschieren und besonders jene Art von straff organisierten Reitspielen, welche die Nationalsozialisten zur Stärkung des Kampfgeistes förderten, können nicht geduldet werden.“

Es wurde ein langer Abend, dieser 9. November 1945. Drei Stunden lang redete man sich die Köpfe heiß, wie die Bedingungen der Alliierten zu erfüllen seien, um möglichst schnell den Sportbetrieb wieder aufnehmen zu können. Besonders die jungen Leute, die schon vor dem Krieg Fußball gespielt hatten, wollten möglichst lieber heute als morgen wieder dem runden Leder hinterher jagen. Viele dieser Aktiven waren im November1945 allerdings noch in der Gefangenschaft. Runde um Runde „Fliegerbier“ musste Willi Sohlmann in den Versammlungsraum bringen. Richtiges Bier gab es damals noch nicht wieder. „Bis in die Nacht hinein haben wir diskutiert, wie der Verein heißen soll“, erinnert sich Werner Hagenkamp, der damals dabei war. Schließlich war es Kirchenorganist Franz Schafhausen, der den Entscheidenden Vorschlag macht: „Verein für Jugendpflege soll unser Verein heißen.“ Damit wollte man den Besatzern ein deutliches Zeichen setzen, dass die Jugend oberste Priorität in der Vereinsarbeit haben sollte. Als die Schar der Lippborger Sportbegeisterten schließlich weit nach Mitternacht nach Hause ging, konnte sie nicht ahnen, dass es fast noch ein Jahr dauern würde, bis der Verein VfJ Lippborg endlich genehmigt war.

Denn trotz des hoffnungsvollen Neubeginns war zunächst Geduld gefragt: Der erste Antrag auf Zulassung eines Sportvereins wurde abgelehnt. Formfehler wurden damals nicht geduldet. Trotzdem ließ man sich nicht entmutigen. Dem Treffen bei Sohlmann im November folgten weitere.

Im September 1946 unternahm man einen weiteren Anlauf zur Gründung des VfJ. Am 10. September 1946 brachte Heinz Wiengarn den Antrag persönlich „An das Hauptquartier der Militärischen Regierung – Kreis Beckum“. Darin hieß es: „Es wird hiermit um die Erlaubnis gebeten, den „Verein für Jugendpflege“ in Lippborg zum Zwecke der Förderung der geistigen und körperlichen Weiterbildung zu genehmigen.“

Außer Wiengarn, der Geschäftsführer war, hatte Franz Schafhausen als Vorsitzender den Antrag, der acht Punkte umfasste, unterschrieben. Zehn Tage später brachte Briefträger Pochert den lange erwarteten Brief des Amtsdirektors zur „Neugenehmigung eines Sportvereins“. Die Militärregierung hatte folgende Vorstandsmitglieder bestätigt: Franz Schafhausen, Heinz Wiengarn, Willi Ahrens, Hubert Bringemeier, Heinrich Sandmöller und Wilhelm Wulf. Bereits nach wenigen Wochen hatten sich über 100 Männer und Frauen dem Verein angeschlossen. Fußball stand aufgrund des beginnenden Winters zunächst nur im zweiten Glied. Dafür hatten Volkstanz und Theater regen Zulauf. Die Übungsabende bei Bockey waren für die jungen Lippborger oft die einzige Abwechslung, denn Fernsehen und Video kannte man noch nicht.

Außerdem gehörten Turnen, Handball und Leichtathletik zu den Betätigungsfeldern. Für den Dezember 1946 hatte man gleich eine Theaterveranstaltung geplant. Aber auch diese musste zunächst einmal genehmigt werden. Unter Federführung von Wilhelm Sandmöller wurde bei Bockey geprobt. Die ersten beiden Stücke, die am 26. und 29. Dezember 1946 sowie am 1. Januar 1947 gespielt wurden, waren ein einaktiges Lustspiel in plattdeutscher Mundart „De Bur äs Baron“ sowie das Stück „Rosel und die Lindenwirtin“. Der Saal bei Bockey war bei allen drei Veranstaltungen brechend voll. Solche Abende halfen, die Leiden des Krieges zu vergessen.

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Fußball der ersten Stunde


Mit dem beginnenden Frühjahr wurden auch die Fußballer wieder aktiv, zumal nach und nach einige von denen, die bereits vor dem Krieg gespielt hatten, wieder aus der Gefangenschaft entlassen wurden. Für das Fußballspielen hatte man am Reichsarbeitsdienstlager (RAD) den geeigneten Sportplatz. 75 Mark Pacht mussten dafür jährlich gezahlt werden. Doch selbst diese – aus heutiger Sicht – geringe Summe konnte der Verein nur unter allergrößter Mühe aufbringen. Das Gelände bot den Luxus eigener Umkleidekabinen. In den RAD-Baracken gab es nicht nur die Möglichkeit, sich umzuziehen, sondern die Fußballer konnten sich in der Waschbaracke sogar mit fließendem Wasser waschen. Ein Luxus, um den die Lippborger von vielen Vereinen beneidet wurden. Die Anfragen nach Spielen gegen den VfJ häuften sich dadurch. Auch zu den Auswärtsspielen fuhren die VfJler vergleichsweise komfortabel. Wenn sie nach Ahlen, Beckum oder bis hinauf nach Stromberg fuhren, stellte Heinz Wiengarn seinen LKW zur Verfügung. „Nöckel“ war es auch, der den ersten Lederball kaufte. Trotzdem herrschte nicht nur eitel Sonnenschein. Bereits nach wenigen Wochen schien der Traum vom Fußballspielen auf einer akzeptablen Anlage ausgeträumt.

Der Sportplatz sollte landwirtschaftlich genutzt werden. Mit einer Eingabe an den „Herrn Landrat“ versuchte Vorsitzender Schafhausen den Platz zu retten: „Die hiesigen Sportler, heute noch anständig geführt und religiös betreut, sind erstaunt, dass man ihrer kleinen Forderung so wenig Verständnis entgegenbringt. Keineswegs soll verkannt werden, dass jede Fläche, sofern sie ertragreich sein wird, landwirtschaftlich genutzt werden soll, andererseits ist aber heute noch in jeder Gemeinde ein Sportplatz. Auch in Lippborg dürfte dem Sport seitens der Gemeinde etwas mehr Verständnis entgegengebracht werden. Der hiesige Sportplatz wird landwirtschaftlich nichts bringen, aber einer sportbegeisterten Jugend viel zu geben haben.“

Die Eingabe hatte zumindest kurzfristigen Erfolg: Die Fußballer durften weiterhin auf dem RAD-Platz spielen. Gleichzeitig begannen die Planungen für einen Sportplatz im Dorf.

Ab 1947 nahm die erste Mannschaft dann wieder an  einer Meisterschaftsrunde teil: Willi Ahrens, Paul Hagenkamp, Hans Töppler, Georg und Walter Rinke, Günther Rempe, Tönne Westhues, Bernd Westbäumer, Heinz Sandmöller, Bernd Renfert, Alfons Fecke, Ted Krämer-Overbeck, Franz Schäfer, Paul Hagedorn, Julius und Cornelius Goldstein, Willi und Bubi Thülig sowie Willi Steinhüser waren in diesen Jahren das Gerüst der Mannschaft, die in der 1. Kreisklasse spielte, in der damals nur sechs Vereine waren. Einen Trainer hatte man noch nicht. Das kam erst später. Doch auch so konnten die Lippborger so manchen Erfolg einfahren.

Im April 1948 wurde schließlich auch die letzte Genehmigungshürde genommen: Der VfJ wurde unter der Registratur-Nummer 655 in den „Fußball-Verband Nordrhein Westfalen“ aufgenommen.

Trotz der Schwierigkeiten, die es um 1950 im gesamten Land gab, florierte der VfJ Lippborg. 1952 gab es mit Paul und Adolf Hagedorn sowie Willi Ahrens gleich drei, die sich um das Training kümmerten. Den ganzen Sommer über wurde in der Spielpause ab 20 Uhr auf dem Sportplatz trainiert, um rechtzeitig zur neuen Saison wieder fit zu sein.

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Ein neuer Sportplatz

1957 kam dann endlich die Nachricht, auf die so viele gewartet hatten:

Ein neuer Sportplatz kann auf dem Heidfeld gebaut werden. In ungezählten Stunden legte die inzwischen gewachsene VfJ-Familie selbst Hand an, um den Platz im wahrsten Sinne des Wortes aus dem Boden zu stampfen. Hier, vor den Toren von Lippborg, glaubte man, eine dauerhafte Bleibe gefunden zu haben. Dass zahlreiche neue Häuser durch den Bau-Boom der 60er und 70er Jahre förmlich aus dem Boden schießen und direkt bis an den Platz grenzen würden, daran hatte keiner gedacht.

Bei der feierlichen Einweihung des neuen Platzes durch Pastor Niehoff wurde der Gründungsvorsitzende des Vereins, Franz Schafhausen, behilflich. Das Dorf war zu diesem Zeitpunkt wie ausgestorben. Alle hatten sich auf den Weg gemacht, um die neue Anlage zu bestaunen. Moped an Moped war am Spielfeldrand geparkt, alle hatten ihre beste Sonntagsgarderobe aus dem Schrank geholt, um bei diesem, für den VfJ so wichtigen Ereignis dabei zu sein.

1966 wurde auch die Sportplatz-Diskussion neu belebt, die in den folgenden Jahren zu einem Dauerbrenner werden sollte. Der Platz an der Breslauer Straße wurde durch den regen Spielbetrieb arg in Mitleidenschaft gezogen. Tiefe Löcher gefährdeten massiv die Gesundheit der Spieler. Auf dem arg ramponierten Platz war sogar die Spielgenehmigung gefährdet. Vorsitzender Julius Stein machte sich daher für einen Neubau stark: „Da vom Fußballverband Westfalen die Spielflächen in jedem Jahr auf die Bespielbarkeit überprüft werden, hatten wir seit einigen Jahren Schwierigkeiten mit der Spielgenehmigung, da mit Recht behauptet wurde, dass die Sandstellen nicht zu verantwortende Unfallgefahren darstellen.“

Schließlich entschloss sich die Gemeinde für eine „Notlösung“: Alle Pläne, im „Steinkamp“ (Alte Beckumer Straße) oder hinter „Wiengarn-Kurnap“ ein VfJ-Sportzentrum zu verwirklichen wurden über den Haufen geworfen. Mindestens 700 000 Mark hätte die Verwirklichung dieses VfJ-Traumes kosten sollen. Viel zu viel entschied die Arnsberger Regierung. Stattdessen beschloss man 1976, den vorhandenen Platz von Grund auf zu sanieren. Parallel dazu wurde „Bei Anepoth“ ein Ausweichplatz geschaffen, um den Spielbetrieb während der Erholungs- und Wachstumsphase des neuen Geländes aufrecht zu erhalten: 124 000 Mark wurden für diese Maßnahme zur Verfügung gestellt. Fast 45 000 Mark allein für eine Flutlichtanlage und auch der Bau eines Sportlerheimes wurde von Gemeindevertretern zuversichtlich in Aussicht gestellt.

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Krise durch „Beli“

Unterdessen wurde der Verein von einer schweren sportlichen Krise erschüttert, die fast das Ende bedeutet hätte. Im Sog der guten wirtschaftlichen Entwicklung der Papierfabrik Beyer hatte sich in den Siebzigern dort eine Betriebssportgemeinschaft gebildet.

Von „Beli“ – so der Name des Vereins – fühlten sich zahlreiche Lippborger, zumal viele von ihnen dort ihren Ausbildungs- oder Arbeitsplatz fanden, angezogen. Nicht zuletzt, weil die finanzielle Unterstützung dort weitaus besser war als beim VfJ. Zwar wurde zunächst bei der neuen Konkurrenz nur im Betriebssport gespielt, doch schon bald etablierte sich „Beli“ auch im Fußballkreis Beckum. Vorbei war es plötzlich beim VfJ mit der Euphorie, mit der 1972 über 300 Lippborger in der Beckumer Römerkampfbahn ihren Klub gefeiert hatten: Mit 5:1 waren im Entscheidungsspiel die punktgleichen Ennigerloher vom Feld gefegt und der Aufstieg in die 1. Kreisklasse perfekt gemacht worden. Viele Spieler, auf die man eigentlich gebaut hatte, gingen nach Hultrop oder Beckum.

Die Krise des Vereins, der eigentlich in aller Ruhe auf seinen 30. Geburtstag mit neuem Platz, einem Sportlerheim und einer guten Mannschaft zusteuern wollte, nahm einen schon beinahe dramatischen Verlauf. Nach dem logischen Abstieg aus der A-Kreisliga wurde die Talfahrt auch in der B-Liga fortgesetzt. 1976 kämpfte das Team zeitweise sogar gegen den Abstieg aus der B-Liga. In einer außerordentlichen Versammlung in der Gaststätte Hagedorn versuchte der Vorsitzende Werner Ostermann schließlich, die Wende einzuleiten. Das „letzte Häuflein der Aufrechten“ wurde beschworen, alles zu tun, um den Abstieg abzuwenden. Mit Herbert Bannert und Günther Heitbreder fanden sich in dieser schweren Stunde zudem zwei ehemals Aktive, die bereit waren, das Training zu übernehmen. Die Wende trat im Februar 1977 ein: Als Tabellenvorletzter gelang ausgerechnet am Sonntag vor Karneval das Kunststück, den souveränen Tabellenführer Fortuna Waldstedde mit 3:0 auf des Gegners Platz zu stürzen. Anschließend wurde kein Spiel mehr verloren, und der VfJ schaffte noch den Sprung auf Rang 6. Damit war der Grundstein gelegt für die sportlich erfolgreichen kommenden Jahre. Das Wiedererstarken auf dem Sportplatz hatte auch für ein neues Selbstbewusstsein innerhalb des Vereins gesorgt: Mit großer Mehrheit sprachen sich die Mitglieder gegen eine Fusion mit „Beli“ aus.

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Zurückkehrender Erfolg und ein neues Sportlerheim

Für „Beli“ bedeutete das Scheitern dieser Fusionsverhandlungen gleichzeitig den Anfang vom Ende. Bereits zur neuen Spielzeit kehrten die ersten Spieler zum VfJ zurück, wo Winfried Patzelt aus Beckum das Training übernommen hatte. Durch den Bau der Friedland-Siedlung (1970 bis 1973) waren zudem bereits in den Vorjahren viele junge Sportler nach Lippborg gekommen, die nun nach und nach den Seniorenbereich verstärkten. Als „Beli“ dann schließlich 1977/78 aufgelöst wurde, kehrten nahezu alle Spieler zum VfJ zurück und trugen ihren Teil dazu bei, dass 1978 durch ein 7:1 im letzten Spiel gegen den Tabellendritten SV Diestedde die Rückkehr in die A-Kreisklasse geschafft wurde.

Zwei Jahre später wurde mit der Einweihung des neuen Sportlerheimes ein weiterer wichtiger Eckpunkt im Vereinsleben gesetzt. Fast 3500 Stunden haben die Mitglieder an Eigenleistung eingebracht, um ihr Vereins-Domizil fertig zu stellen, für das sie besonders in Gemeindedirektor Franz-Josef Nölle einen unerbittlichen Fürsprecher gefunden hatten. Im gleichen Jahr wurde mit der Gründung der Tennisabteilung auch der rasanten Entwicklung des „weißen Sports“ der von vielen Mitgliedern geforderte Tribut gezollt. Abgesehen von zwei kurzfristigen „Tiefs“ (1988 und 1990), denen aber stets der sofortige Wiederaufstieg folgte,  konnte sich der VfJ Lippborg in den folgenden Jahren in der A-Kreisliga etablieren, wobei der 3. Platz unter Trainer Peter Feldkötter 1986 wohl der größte Erfolg war. Zudem erwarb sich die Mannschaft einen gefürchteten Ruf als Pokalschreck, den Landes- und Bezirksliga-Teams durch sensationelle Niederlagen besonders unter der Regie von Manfred Lahme empfindlich zu spüren bekamen.

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Zum Schluss

Die gestiegenen Mitgliederzahlen und das erweiterte Angebot sowie die Investitionen am Sportlerheim haben in den letzten zehn Jahren zudem dafür gesorgt, dass der Verein auf vielfältige Weise neue Wege zur Finanzierung gesucht hat und weiter suchen wird. Dadurch sind Veranstaltungen wie das Tauziehen – einst als Schnapsidee am Tresen geboren – oder Spiel ohne Grenzen sowie die Super-Sommer-Sause in den Veranstaltungskalender aufgenommen worden. Gemeinsam mit der treuen Unterstützung durch eine Vielzahl von Sponsoren ist es dem Verein dadurch möglich, die Jahresbeiträge familienfreundlich gering zu halten. Auch durch Bandenwerbung ist der Verein bemüht, ein für die Geschäftsleute attraktives Umfeld zu schaffen, um den VfJ zu unterstützen. Aber es wird auch deutlich, dass es Jahr für Jahr schwerer wird, neue Einnahmequellen zu erschließen. Zumal die Ansprüche – gerade auch bei den Aktiven – immer mehr steigen. Dennoch darf man zuversichtlich sein, dass es dem Verein gelingt, sich diesen Anforderungen auch weiterhin zu stellen.

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